| Werth gewinnt Grand Prix Special |
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Die deutschen Dressurreiter und -fans gingen in dieser Prüfung durch eine Achterbahn der Gefühle. Zunächst schwächelte Nadine Capellmann (Würselen), die mit Elvis VA als erste deutsche Reiterin ins Viereck einritt und dieses mit nur 67,240 Prozent verließ. Dann kam als zweitletzte Starterin Heike Kemmer, die richtig auftrumpfte und die deutsche Dressurwelt wieder ein wenig zurechtrückte. Und schließlich ritt als Letzte Isabell Werth ein. Die Rheinländerin begann stark. Es gab Neuner-Noten von den Richtern für die Trabtraversalen und die Trabverstärkungen. Die fünffache Olympiasiegerin schickte sich an, ein Ergebnis deutlich über 80 Prozent einzufahren und die Goldmedaille fast schon klar zu machen. Doch dann blockierte Satchmo in der ersten Piaffe. Der 14-jährige Hannoveraner zeigte sich so ungehorsam, dass es gerade mal noch einen Punkt von den Richtern für die Lektion gab. "Der Fehler hat ungefähr fünf Prozent gekostet. Nachdem ich ganz nah am Gold war, bin ich jetzt wieder weiter davon weg," sagte Isabell Werth nach dem Ritt, der ihr einen schwer einzuholenden Vorsprung für das Finale verschafft hätte. "Jetzt ging es nur noch um Schadensbegrenzung und darum, Satchmo wieder auf die Spur zu bringen," erzählte sie, was in dem Moment in ihr vorging. Das gelang der Doppel-Weltmeisterin von 2006 auch. Satchmo zeigte sich bis zum Schluß wieder von seiner besten Seite. "Ich hatte vor und nach dem Fehler ein tolles Gefühl. Kaum ein Pferd hat in den letzten Jahren so wenig Fehler gemacht wie Satchmo," relativierte Isabell Werth den Aussetzer ihres Pferdes. Damit hat Satchmo für ein spannendes Finale am Dienstag (19. August) gesorgt, denn die Entscheidung über den Olympiatitel wird eng und fällt nun definitiv erst im Grand Prix Kür - einer Klasse, in der Anky van Grunsven als Kürweltmeisterin von 2006 sicher ihre volle Stärke ausspielen wird. Wie Isabell Werth, die eigens eine Kür für diese Spiele hat komponieren und von einem Orchester einspielen lassen, geht auch die zweifache Olympiasiegerin aus den Niederlanden mit einer neuen Kür an den Start. Ob die neue Olympiasiegerin am Ende Anky oder Isabell heißt: Olympisches Gold bekommt die Reiterin, die den höchsten Wert aus der Addition der Ergebnisse von Grand Prix Special und Grand Prix Kür erhält. Vollauf zufrieden zeigte sich die jetzt zweifache Mannschaftsolympiasiegerin Heike Kemmer, die nach ihrem Auftritt erstmals eine Einzelmedaille zum Greifen nah hat. "Am Ende hatte ich nur Mini-Mini-Fehler. Ich war mit allen Teilen meiner Vorstellung zufrieden. Bonaparte war genial zu reiten. Ich habe heute den Grundstein für eine Medaille gelegt." Ganz anders das Resümee, das Nadine Capellmann selbstkritisch nach dem Grand Prix Special zog, bei dem die Vierte der Olympischen Spiele von 2000 am Ende auf Platz 17 landete und damit den Einzug ins Finale verpasste, in das nur die besten 15 Paare des heutigen Tages kamen. "Das war der schlechteste Ritt meiner Karriere. Es gibt ein Leben nach Olympia. Das heute ging gar nicht. Ich mache nach den Olympischen Spielen erst einmal eine Pause." Eine kleine Pause haben die 15 Finalteilnehmer. Die Entscheidung über den Olympiasieg fällt bei den Dressurreitern erst in zwei Tagen. Die wird jeder Reiter auf seine Art nutzen. Heike Kemmer belohnt ihren braven Vierbeiner zum Beispiel mit einem freien Tag. "Bonaparte hat morgen Pause. Er geht keine Lektionen. Ich schau ihm morgen in die Augen und sehe mal, was er zur Entspannung braucht." |
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