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Staatsprämienschau der 3-jährigen und älteren Stuten in München-Riem
Drei Tage Sonne satt – bei der diesjährigen Landesschau am 6., 8. und 9. Juni in München-Riem herrschte traumhaftes Wetter und so bot der Hufeisenplatz bei hochsommerlichen Temperaturen eine herrliche Kulisse für die Staatsprämienvergabe an Stuten der Rassen Haflinger, Süddeutsches Kaltblut und Warmblut. Insgesamt 162 Stuten der drei Rassen waren nach München geladen. Parallel dazu fanden zwei Reitpferdeprüfungen, einmal für 3-jährige, einmal für 4-jährige Pferde, statt. Sie waren zum einen als Sichtungsprüfungen zum Süddeutschen Championat und Bundeschampionat ausgeschrieben, zum anderen waren sie auch Qualifikationsprüfungen zum Porschezentrum-Ingolstadt-Reitpferde-Cup, dessen Finale am 3. Oktober auf Gut Winkelacker ausgetragen wird. Der Sieg bei den 3-jährigen ging mit der Wertnote 7,9 an Ronaldinho von Rivero II – Royal Diamond (Z. u. B.: Franz Galneder, Taufkirchen), vorgestellt von Claudia Zehetmaier. Bei den 4-jährigen erhielt Laetitia, eine Tochter des Latimer aus dem Zuchtgebiet Baden-Württemberg, unter dem Sattel von Christina Ossner vom Richterduo Johann Speth und Michael Schmidt mit 8,1 die höchste Bewertung. Enttäuschend niedrig waren in beiden Prüfungen die Starterzahlen, nur knapp die Hälfte der reservierten Startplätze wurde abgerufen. Dies ist umso bedauerlicher, als es nur wenige Veranstaltungen im Jahr gibt, bei denen Zucht und Sport so eng zusammenkommen. Da es sich überdies um Sichtungen zu den großen Championaten dieses Jahres gehandelt hat, wäre eine stärkere Beteiligung mehr als wünschenswert gewesen. Umso reger war dafür die Teilnahme bei der Landesschau. Kaum einer ließ sich die Chance entgehen, seine Stute hier vorzustellen. Besonders bemerkenswert: Am Kaltbluttag fehlte kein einziges Pferd!
Zuchtleiter Dr. Hartwig Tewes hat seine Eindrücke der Staatsprämienschau zusammengefasst: Seit über 20 Jahren werden von den zuständigen Kommissionen die besten Stuten des Jahrgangs bei den Frühjahrs-Stutbuchaufnahmen ermittelt. Ein kleiner Teil der mehr als 600 Stuten wird dann im Juni zentral in München zusammengezogen mit dem Anrecht, den begehrten Titel „Staatsprämie“ erwerben zu können. Aus diesen besten Stuten Bayerns soll wiederum die nächste Generation von Spitzenstuten und –hengsten entstehen. Dieses System hat schon deutliche Erfolge gebracht, es gibt in allen Rassen nicht wenige Stutenstämme, in denen seit mehreren Generationen der Titel „SP“ zur Mutter gehört. Um dem Titel „Staatsprämienstute“ eine Exklusivität zu erhalten, hat die bayerische Tierzuchtverwaltung festgelegt, dass nicht mehr als 20 Prozent eines Eintragungsjahrgangs diesen Titel erhalten dürfen, wobei auch die übrigen Kriterien wie Fruchtbarkeit, Leistungsprüfung und eine geprüfte Mutter erfüllt werden müssen. Diese Quote wurde leicht eingehalten. Nur etwa 16 Prozent des Eintragungsjahrgangs (von 689 Stuten) erfüllten die hohen Ansprüche der Bewertungskommissionen. An der Schau erhielten gut 70 Prozent die Prämienzusage. Schon traditionell ist die Beteiligung eines nichtbayerischen Richters und Berichterstatters an der Schau. Dies dient dazu, auch andere Meinungen in der heimischen Pferdezuchtdiskussion zu hören und auch zu berücksichtigen. In diesem Jahr kam bei den Haflingern Volker Hofmeister, Zuchtleiter beim Kleinpferdezuchtverband Hannover, bei den Kaltblütern Klaus Biedenkopf, Geschäftsführer des Pferdezuchtverbandes Hessen, und bei den Reitpferden Las Gehrmann hinzu. Er ist Zuchtleiter des Trakehner-Bundesverbandes. In Auszügen ist hier die Meinung der drei Gastrichter zur Schau allgemein und zu den Siegerstuten wiedergegeben. Volker Hofmeister (Haflinger) Die fast 50 Stuten waren sehr einheitlich und gut herausgebracht. Manche Vorführer hätte er sich noch „bayerischer“ und mehr traditionell gewandet gewünscht. In Farbe und Körperformation war er absolut zufrieden. Der Schritt schien ihm allgemein ziemlich gut zu sein. In den Trabbewegungen bemerkte er ein deutliches Manko in der Zusammenarbeit von Rücken und Hinterhand und wünschte sich mehr Kraftentwicklung aus der Hinterhand. Seine eigenen Erfahrungen als Reiter ließ er in die Bemerkungen immer wieder einfließen. Den Vorführern gab er den Rat, immer die Entwicklung und Erhaltung des Taktes an die erste Stelle zu setzen: „Wir züchten keine Rennpferde.“ Außerdem ist ihm die Erhaltung der Anlehnung und damit die Zügelverbindung zwischen Vorführer und Stute ein wichtiges Anliegen. Die drei Siegerstuten sah er folgendermaßen: 2. Reservesiegerin: Kat.-Nr. 26, Luna v. Nebos II – Applaus Z. u. B.: Alfred Wintergerst, Kraftisried „Eine typvolle Stute mit markanter Sattellage, die sich in freiem Antritt dynamisch bewegt.“ 1. Reservesiegerin: Kat.-Nr. 4, Novita v. Abendstern – Winterstein Z. u. B.: Karl Stadler, Ziemetshausen „Großlinierte Stute mit herrlichem, weiblichem Gesicht. Viel Vorderpferd. Immer bergauf ausbalanciert und im Takt.“ Siegerstute: Kat.-Nr. 1, Soraja v. Nathian – Amadeus Liz. Z. u. B.: Hans Schiller, Rohrdorf „Eine feine und elegante Stute mit viel Aufrichtung, immer sicher im Schritt und total gleichmäßig im Trab.“ Klaus Biedenkopf (Kaltblut):
Er zeigte sich begeistert von der Ausgeglichenheit der Kollektion von fast 50 Stuten und lobte die Arbeit der Auswahlkommission. Sein Fazit über die Stuten: moderne Stuten mit viel Harmonie und Weiblichkeit, trockenes und korrektes Beinwerk, viel Beweglichkeit in den beiden Grundgangarten. Die drei Siegerstuten beschrieb er so: 2. Reservesiegerin: Kat.-Nr. 5, Gundi v. Veltin – Dietmar Z.: Andreas Neuner, Bad Bayersoien; B.: Hermann Mayr, Rottenbuch Eine Stute mit viel Rahmen und Linie, energisch abfußend und mit ergiebigem Schritt. 1. Reservesiegerin: Kat.-Nr. 47, Poesie v. Rasso – Noriker Z.: Josef Obermeier, Breitbrunn; B.: Gertraud Harrer, Polling Eine schon vierjährige, besonders auffällige Stute mit viel Körperharmonie. Fundament korrekt und kräftig. Klare Fußfolge im Schritt. Im Trabe mit deutlichem Abdruck und Untertritt aus dem Hinterfuß. Siegerstute: Kat.-Nr. 12, Räubertochter v. Normano – Ramsgold Z.: HuLG Schwaiganger, Ohlstadt; B.: Franz Sikora jun., Ohlstadt Eine Stute mit viel Ausstrahlung und überlegenem Auftritt. Im Körper ohne Fehl und Tadel, dabei taktsicher und mit energischer Arbeit in der Hinterhand. Die mengenmäßig größte Aufgabe hatte Lars Gehrmann (Reitpferde). Er lobte eingangs, dass ältere Stuten nach Sporterfolgen o.ä. auch noch die Chance auf eine Staatsprämie hätten. Außerdem gefielen ihm die angeregten Diskussionen innerhalb der Kommission, in der leicht abweichende Meinungen letztendlich friedlich gelöst wurden. Auch die überwiegend professionellen Vorstellungen beeindruckte ihn sehr. Er hatte fünf Stuten zu besprechen und begann mit der Siegerin der Halbblutstuten. Dies war die Kat.-Nr. 19, Grace Kelly v. French Buffet xx – Legendär I, Z. u. B.: Haupt- und Landgestüt Schwaiganger, Ohlstadt. Eine Stute mit großen Partien, der man etwas mehr Geschlechtsausdruck wünschen könnte. Das Fundament ist naturgemäß fein, in der Bewegung macht sie sich groß mit für eine Halbblutstute sensationellen Bewegungen. Insgesamt lobte er die Halbblutkollektion und betonte wiederum die Wichtigkeit des Vollbluteinsatzes. Als beste Stute mit reiner Springabstammung besprach er die Kat.-Nr. 22 Frühlingsfee v. Carlando I – Corallo, Z. u. B.: Werner Busse, Moosthenning. Stuten mit dieser springbetonten Abstammung haben es auf dieser Art von Schauen häufig schwer, da sie in Typ und Bewegung häufig von der Norm abweichen. Umso mehr gefiel ihm diese Stute, die in Typ und Trabmanier bei guter Mechanik brillierte. 2. Reservesiegerin: Kat.-Nr. 13, Pina Luisa v. Candillo – Landadel Z. u. B.: Gerhard Reicherzer, Mertingen Aus den letzten 15 Stuten des Endringes kam diese Stute, geschmackvoll gemacht mit viel Weiblichkeit aber auch sportivem Hintergrund. Besonders auffallend die Schulterfreiheit und die Vorderbeinmechanik. 1. Reservesiegerin: Kat.-Nr. 36, Amiga Hit II v. Diamond Hit – Rio Negro Z. u. B.: Katrin Landes, Ingolstadt Ein Qualitätspferd erster Güte mit kraftvollem Auftreten, immer taktbeherrscht mit hohem Schwingungsgrad. Siegerstute: Kat.-Nr. 41, Passion v. Belissimo M – Piaster Z. u. B.: Maria Wadenspanner, Rottenburg Auffallend die überlegene Art und Präsenz dieser Stute. Mit wenig Unterstützung aber großer Übersetzung erledigte sie ihre Trabarbeit. Diese souveräne Siegerin hatte auch schon zweijährig die Landesschau gewonnen. Übereinstimmend viel das Urteil der auswärtigen Richter für die Landesschau 2007 aus: Sie hatten in München-Riem gut ausgesuchte Pferde bei guten Bodenverhältnissen gesehen. Leider erhielt die diesjährige Schau nicht den Zuschauerzuspruch, den sie verdient gehabt hätte. Manche Vorführung hätte noch professioneller sein können, generell jedoch, so der Tenor, ließen sich alle Pferde sportlich und typmäßig international messen. Alle Ergebnisse finden Sie unter: www.reitsport-nachrichten.de/ in der Rubrik Downloads. Quelle: www.bayerns-pferde.de |