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Reit-WM: Isabell Werth auf Platz sechs PDF Drucken
Isabell Werth in Kentucky (c) cms-medien.eu (c) cms-medien.eu

Kentucky/USA (fn-press). Nach der Bronze-Medaille für das deutsche Team stand in der Kür und im Grand Prix Special kein Deutscher auf dem Treppchen. Beste Deutsche war die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) mit Warum nicht FRH auf Platz sechs. Aber auch die WM-Neulinge Anabel Balkenhol (Rosendahl) mit Dablino und Christoph Koschel (Hagen a.T.W.) mit Donnperignon zeigten starke Auftritte. Der Titel in der zweiten Dressur-Einzelentscheidung ging erneut an den Doppeleuropameister Edward Gal. Der Niederländer gewann seine dritte Goldmedaille bei diesen Weltmeisterschaften. Die Britin Laura Bechtolsheimer mit Mistral Hojris und der US-Amerikaner Steffen Peters mit Ravel sicherten sich wie auch im Grand Prix Special wieder Silber und Bronze. Gänsehautatmosphäre herrschte im ausverkauften Hauptstadion bei der Grand Prix Kür der besten 15 Reiter der Welt. Rund 25.000 Zuschauer jubelten ihren Stars von den Rängen aus zu. Trotz einiger Fehler führte auch bei dieser dritten Dressurentscheidung kein Weg an dem Ausnahmepferd Totilas und seinem Reiter Edward Gal vorbei. Gal durfte sich über herausragende 91,8 Punkte freuen, eine Richterin vergab sogar mehr als 93 Punkte. Zweite wurde wie schon im Special Laura Bechtolsheimer. Mit seiner Kür zu Klängen von Coldplay und den Rolling Stones begeisterte Steffen Peters Publikum und Richter und holte Bronze. Zum Publikumsliebling avancierte allerdings der Spanier Juan Manuel Muñoz Diaz mit seinem Schimmel Fuego XII. Mit seinen einhändig gerittenen Zweierwechseln riss er die Zuschauer von den Bänken. Standing Ovations begleiteten das Paar auf dem Weg aus dem Stadion und das Richterurteil, das den Spanier „nur“ auf den fünften Rang sah, wurde mit Pfiffen bedacht.

 

Erstmals mussten sich die deutschen Dressurreiter mit Platzierungen jenseits der Medaillenränge zufrieden geben. „Ich bin mit unserer Leistung dennoch sehr zufrieden. Wir haben in diesem Hexenkessel eine gute Runde gedreht. Im Gegensatz zum Special standen heute Risiko und Fehlerquote in einem richtigen Verhältnis“, sagte Isabell Werth. Christoph Koschel genoss mit Donnperignon den Einritt in das vollbesetzte Stadion. Zu den Klängen von Sting und The Police schien er genau den Geschmack der Zuschauer getroffen zu haben. Lautstarker Beifall begleitete das Paar zu Beginn der Kür. „Das war spitze, wie das Publikum mitgegangen ist“, so der 36-Jährige. Nicht ganz so begeistert war allerdings die Richtergruppe, die das Paar mit 76,0 Punkten nur auf dem zehnten Platz sah. Dennoch fiel sein erstes WM-Fazit positiv aus: „Wir waren im Special sechstbestes Paar der Welt und mit der Mannschaft habe ich eine Medaille gewonnen. Was will man mehr?“ Seine Mitstreiterin Anabel Balkenhol, die von ihrem Einzug in die Kür selbst überrascht worden war, landete auf dem 13. Platz. In ihrem Fazit schloss sie sich Koschel an: „So etwas zu erleben, ist sensationell. Ich fliege total zufrieden nach Hause“, so Balkenhol.

Im Grand Prix Special hatte Anabel Balkenhol für eine positive Überraschung gesorgt und sich mit Platz acht für die Kür qualifiziert, nachdem sie zuvor im Mannschaftswettbewerb das Streichergebnis geliefert hatte. „Wir alle wissen, dass das Paar großes Potenzial hat. Aber dies muss auch im Wettkampf abgerufen werden. Heute kam sie zum Reiten. Das war ein ganz anderes Pferd als noch im Grand Prix“, lobte Bundestrainer Holger Schmezer (Verden). Für ihre Vorstellung gab es von den Richtern 72,625 Prozent, das bedeutete am Ende Platz acht. „Ich bin so glücklich. Wir konnten zeigen, dass wir hierhin gehören“, freute sich Balkenhol. Besser als sie war aus deutscher Sicht nur Christoph Koschel. Er kam mit 73,292 Prozent auf Platz sechs. „Das ist heute vom Fleck weg gut gelaufen, auch wenn ich noch ein wenig mehr Risiko hätte reiten können“, sagte der studierte Jurist. „Nach meiner nicht ganz so risikofreudigen ersten Piaffe, habe ich im Galopp nochmal Gas gegeben.“ Während die beiden Neulinge also allen Grund zur Freude hatten, lief es bei ihren championatserfahrenen Kollegen weniger gut. Isabell Werth hatte vor allem in den Galopplektionen zu kämpfen. Warum nicht FRH sprang im versammelten Galopp ungewollt um, zeigte Fehler zu Beginn der Zweierwechsel sowie auf der Schlusslinie. Am Ende musste sich die Titelverteidigerin mit Platz zehn begnügen. „No risk, no fun“, sagte sie. „Ich habe alles riskiert, denn ich hatte nur eine minimale Chance auf eine Medaille. Heute ist es schief gegangen.“ Alles andere als zufrieden war auch Matthias-Alexander Rath (Kronberg), der mit Sterntaler-Unicef nur auf Platz 13 landete. „Eigentlich fühlte sich der Ritt am Anfang ganz gut an. Der Fehler in der Linkspirouette war natürlich schmerzhaft und auch die Schlusspiaffe kostete Punkte“, äußerte sich der Kronberger enttäuscht. Seine Fehler kosteten ihn nicht nur Punkte, sondern auch den Startplatz in der Kür, da dafür nur drei Paare pro Nation zugelassen sind.

In der Einzelwertung stand zwar kein Deutscher auf dem Treppchen, aber in der Mannschaftswertung hatte das deutsche Team zuvor die Bronze-Medaille geholt. Der Kampf um Bronze ging bis zum letzten Starter. Steffen Peters hatte es mit Ravel in der Hand, eine Mannschaftsmedaille für das Gastgeberland USA zu holen. Es reichte nicht ganz. Als das Ergebnis angezeigt wurde, war der Jubel im deutschen Lager groß. „Natürlich hatten wir uns vorgenommen, die Engländer hinter uns zu lassen, aber nach dem Verlauf des Wettkampfes, bin ich überglücklich, dass es noch Bronze geworden ist. Wenn Steffen Peters noch ein paar Prozentpunkte mehr gehabt hätte, wäre es mit der Medaille sehr eng geworden“, sagte Matthias-Alexander Rath. Auch Isabell Werth war zufrieden: „Ich glaube, dass wir alle deutlich mehr Potenzial haben und Silber durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre. Wir müssen weiter unsere Hausaufgaben machen. Ich freue mich trotzdem über Bronze und eine Medaille zu haben, ist besser als Vierter zu werden.“ Der Anblick eines deutschen Teams auf dem Bronzetreppchen war dennoch ungewohnt: Erstmals seit 1970 gab es bei einer WM kein Gold. 

Quelle: fn-press
Fotos: CMS-MEDIEN Pressebildagentur
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