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Gold und Bronze für die Gastgeber – Meredith Michaels-Beerbaum ist neue Einzel-Europameisterin
(MPS) In einem dramatischen Finale der FEI Europameisterschaft der Springreiter in Mannheim gelang es den Schützlingen des deutschen Bundestrainers Kurt Gravemeier am Sonntagnachmittag, den Medaillensatz des Gastgeberlandes zu vervollständigen. Nach Silber im Nationenpreis am Freitag sicherte sich im Einzelfinale Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) die Goldmedaille vor Weltmeister Jos Lansink (Belgien), Bronze gewann der für den Reiter-Verein Mannheim startende Ludger Beerbaum.
Vor dem ersten Umlauf als Zweitplatzierter ins Rennen gegangen, musste der Lokalmatador auf dem 16-jährigen Hengst Goldfever am vorletzten Hindernis einen Abwurf hinnehmen und fiel damit auf Rang fünf zurück. Doch in Runde zwei bewiesen sowohl der Weltranglisten-Erste als auch Goldfever eiserne Nerven und übernahmen mit einer Nullrunde die Führung. Als in der Folge Christina Liebherr (Schweiz), die nach drei von fünf Durchgängen noch strafpunktfrei in Führung gelegen hatte, mit L.B. No Mercy aufgeben musste und der Norweger Morten Djupvik auf Bessemeinds Casino mit acht Fehlern am Ende auf Rang 10 zurückfiel, war Beerbaum zumindest eine Medaille sicher. Der Traum, nach dem Einzel-EM-Gold von 1997 an gleicher Stelle zehn Jahre später erneut zu triumphieren, endete dann jedoch mit dem nächsten Starter. Scheinbar spielerisch leicht überwand Al-Kaheel Cavalor Cumano unter Jos Lansink die gewaltigen Hindernisse im MVV-Reitstadion und trotz eines Zeitfehlers übernahm das Weltmeister-Paar damit die Spitze. Auch die Freude des Belgiers währte indes nur kurz. Denn als letzte Starterin ging schließlich die Weltranglisten-Dritte Meredith Michaels-Beerbaum auf Shutterfly in die Bahn und blieb vor 11.000 begeisterten Zuschauern in der fünften Wertung dieser Europameisterschaft ein weiteres Mal ohne Abwurf. Mit nur 1,54 Strafpunkten während der gesamten EM-Woche sicherte sich die 37-Jährige damit die Goldmedaille. „Das ist ein großartiges Gefühl“, jubelte sie wenig später. „Ich wusste, ich muss Null reiten, aber Shutterfly ist heute vom Allerfeinsten gesprungen. Schon vor dem Finale hatte ich ein sehr gutes Gefühl, war ruhiger als an den Tagen davor. Es hat einfach richtig Spaß gemacht, ihn zu reiten“, lobte Michaels-Beerbaum ihren 14-jährigen Wallach und bekannte: „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Davon habe ich geträumt, seit ich ein kleines Kind war, und dass es mir jetzt gelungen ist, macht mich unheimlich stolz. Als ich nach Deutschland kam, sah ich Leute wie Ludger und Jos reiten und dachte, wie toll es wäre, einmal neben solchen Reitern zu stehen. Dass die beiden heute auf dem Podest links und rechts neben mir standen – und ein Stückchen tiefer als ich, das ist einfach unglaublich.“ Hoch zufrieden zeigte sich indes auch Ludger Beerbaum mit seiner Bronzemedaille. „Wenn mir vor vier oder acht Wochen jemand gesagt hätte, dass ich hier mit Goldfever Bronze holen würde, ich hätte es nie und nimmer geglaubt“, so der 43-Jährige. „Ich bin absolut zufrieden und habe überhaupt keinen Grund, Trübsal zu blasen. Bronze waren heute 100 Prozent und Meredith und Jos waren einfach besser.“ Insbesondere seiner Schwägerin zollte Beerbaum besonderes Lob: „Dass Meredith für Deutschland startet, ist für Deutschland eine Riesen-Bereicherung“, so der viermalige Olympiasieger über die gebürtige US-Amerikanerin. „Ich denke, dass hier das beste Paar dieser Woche gewonnen hat“, pflichtete Jos Lansink der Einschätzung Beerbaums bei und war mit seinem Abschneiden sichtlich zufrieden. „Ich hatte die ganze Woche über keinen einzigen Springfehler, lediglich einen Zeitfehler heute. Und ich weiß, dass mein Pferd in Zeitspringen nicht das Schnellste ist. Das war am Ende der entscheidende Unterschied.“ Begeistert vom Schluss- und Höhepunkt der FEI Europameisterschaft der Springreiter war Peter Hofmann, der Präsident des EM-Organisationskomitees. „Wir haben phantastischen Sport gesehen“, so Hofmann, der den Medaillengewinnern allesamt großartige Leistungen attestierte – ebenso wie seiner Parcours-Chefin: „Wir haben die Entscheidung für Christa Jung durchgehalten, und es war eine gute Entscheidung“, lobte er Jungs absolut championatswürdige Kurse. Lob von höchster Stelle erhielt Hofmann anschließend selbst vom Ersten Vizepräsidenten des Weltreiterverbandes FEI Sven Holmberg: „Ich war schon bei vielen Meisterschaften, und ich bin wirklich beeindruckt von dieser Europameisterschaft. Nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus organisatorischer Sicht. Es ist phantastisch, was Mannheim und Peter Hofmann hier auf die Beine gestellt haben.“
Quelle: mps-agentur Fotos der Europameisterschaft in Mannheim finden Sie unter: www.reitsportfotos.eu |