| Gold für Anky - Silber für Isabell |
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"Wir haben jetzt das ganze Sortiment ausgeschöpft: Gold, Silber und Bronze," sagte Bundestrainer Holger Schmezer (Verden), denn schon am vergangenen Donnerstag hatte das deutsche Team entgegen allen Erwartungen die hochfavorisierten Niederländer geschlagen und damit die seit 1976 ununterbrochene "Gold-Serie" der Deutschen fortgeschrieben. "Gold im Einzel war natürlich hier angepeilt, aber man muss es so akzeptieren. Wir gratulieren den Holländern. Anky hat verdient gewonnen. Auch ohne den Patzer wäre es in der Kür eng geworden." Ganz großes Lob gab es für Heike Kemmer, deren Bronze vielleicht so überraschend ist wie Werths Silber. "Meine hohe Anerkennung für Heike, die sich seit Aachen so gesteigert hat. Sie hat alles aus dem Pferd herausgeholt." Für Isabell Werth entwickelte sich das Finale zu einem Dejá vu. Wie schon im Grand Prix Special als erster Wertungsprüfung am vergangenen Samstag blockierte der 14-jährige Hannoveraner-Wallach in der Piaffpirouette, nahm den Kopf zwischen die Vorderbeine und ging ein paar Schritte rückwärts. Nervenstark brachte Werth den unwilligen Partner wieder zurück in die Choreografie und auf die Spur mit der Musik. Ab dann klappte alles wieder wie am Schnürchen. Die viermalige Mannschaftsolympiasiegerin zeigte eine mit höchsten Schwierigkeiten gespickte Kür, in der schwerste Lektionen sich aneinanderreihten. Dazu präsentierte sie eine eigens für sie komponierte und vom Potsdamer Sinfonieorchester eingespielte Musik, deren Titel "Hymn of Emotions" sicher zu dem Wechselbad der Gefühle passte, durch das Satchmo seine Reiterin bei diesen Spielen schickte. Wie schon im Grand Prix Special kostete die unerwünschte Einlage von Satchmo wertvolle Punkte. Hatte Isabell Werth nach dem Special noch mit 75.200 Prozent hauchdünn vor ihrer niederländischen Konkurrentin geführt, so reichten die 78.100 Prozent der Kür am Ende nicht für den Gesamtsieg. Auf diese Erkenntnis musste die Olympiasiegerin von 1996 allerdings noch 30 Minuten warten. Nach ihr kamen noch die Auftritte von Heike Kemmer und dem US-Amerikaner Steffen Peters. Der bestätigte mit seinem Pferd Ravel den vierten Platz im Special auch in der Kür (74.150), so dass Heike Kemmer für ihre nahezu fehlerfreie Vorstellung mit 75.900 nach 73.000 Prozent im Special die Bronzemedaille sicher hatte. Dann kam das Finale des Finales: Anky van Grunsven. Die Kürweltmeisterin bot ebenfalls eine neue und eindrucksvolle Kür auf. Und auch sie hatte einen Komponisten engagiert, eine Musik zu schreiben, die alle Stärken Salineros zur vollen Geltung bringt. Der 14-jährige Hannoveraner blieb von Anfang bis Ende konzentriert bei seiner Aufgabe. "Nachdem ich Isabells Ergebnis gesehen habe, brauchte ich nicht mehr volles Risiko zu gehen," sagte Anky van Grunsven. Mit 82.400 Prozent entschied sie das Duell mit Isabell Werth für sich und holte damit zum dritten Mal in Folge Gold bei Olympischen Spielen. Damit ist ein Rekord Isabell Werths erst mal aufgeschoben: Die Ablösung von Dr. Reiner Klimke als erfolgreichsten Dressurreiter bei Olympischen Spielen muss mindestens bis zu den Spielen 2012 in London warten. Mit der Goldmedaille im Einzel hätte Isabell Werth mit zweimal Einzelgold, zweimal -silber und viermal Mannschaftsgold den verstorbenen Dressurreiter überholt, der eine Gold- und zwei Bronzemedaillen im Einzel sowie fünfmal Gold mit dem Team holte. Ob sie das nächste Olympiagold mit Satchmo anpeilt, der dann 18 Jahre alt wäre, bleibt abzuwarten. Sie hat erst einmal ein anderes Ziel. "Satchmo hat das Problem in der Piaffe aus dem Special nicht vergessen. Jetzt tauchte der Fehler bei der dritten Piaffe auf. Ich kann es nicht erklären. Der Rest war super. Es war ansonsten seine beste Kür. Ich denke jetzt erst mal daran, wie ich dem Pferd Ruhe und Vertrauen wiedergeben kann." Solche Sorgen hat ihre Teamkollegin Heike Kemmer im Augenblick nicht. "Ich bin total glücklich. Das ist überhaupt meine allererste Einzelmedaille bei einem Championat - und das bei Olympischen Spielen. Ich bin total locker reingeritten, weil ich wusste, dass ich gut vorbereitet bin. Der einzige Fehler, das Angaloppieren in der Passagetraversale, hat lediglich Abzug in der Choreografie gegeben. Ich habe natürlich bei dem Ritt von Peters gezittert, ob es zu einer Medaille reicht," sagte eine gelöste Heike Kemmer nach der Kür, die aus deutscher Sicht einen positiven Schlusspunkt unter diese olympische Dressur setzte. Auch aus Sicht der deutschen Pferdezucht - speziell des Hannoveraner Verbandes - waren die Spiele ein voller Erfolg, denn alle drei Medaillengewinner saßen auf Pferden mit dem Hannoveraner Brand. |
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