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Mannschafts-Weltmeister Gerco Schröder im Portrait
Fragt man Gerco Schröder nach einer schwierigen Zeit in seiner Karriere, kommt eine lange Pause. Nicht, weil er sich all die schwierigen Zeiten erst wieder ins Gedächtnis holen muss, sondern weil es in seiner jungen Karriere kaum schwierige Zeiten gab. Mit der selben Präzision und Effizienz, mit der der 28-Jährige seine Parcours absolviert, verlief sein Reiterleben. Obwohl der in Tubbergen geborene Profi, der mit sieben Jahren das erste Mal aufs Pony stieg, zunächst eigentlich Landwirt werden wollte. „Das war mein Wunsch. Ich wollte in die Fußstapfen meines Vaters treten, der einen landwirtschaftlichen Betrieb geleitet hat. Aber Wim hat das verhindert.“ Der ältere Bruder bat den Sprössling, zunächst einen Monat auf dem Pony zu üben, auf dem er selbst und auch Zwillingsbruder Ben schon das Reiten lernten. Just stellte sich der erste Sieg und damit auch der Ehrgeiz ein. Der dritte Springreiter aus dem Hause Schröder war geboren.
Seinen ersten internationalen Titel holte Gerco 1996, als er mit der Mannschaft der Jungen Reiter die Europameisterschaft gewinnt. Genau zehn Jahre später holte er mit dem niederländischen Team wieder eine Schärpe – die der Weltmeister und das bei den Senioren. Zwischen den beiden Championaten liegt eine reiterliche Entwicklung, die durch eine ganze Reihe Erfolge gekennzeichnet ist. Neben 16 Einsätzen in Nationenpreisen, davon zwei siegreich, wurde der für seine sensible Art bekannte Reiter 1999 Mannschafts- und Einzel-Europameister der Jungen Reiter. Siege in Großen Preisen, wie beim CSI Twente (2002) oder Amsterdam (2004) und bei den Olympischen Spielen 2004 erreicht das Oranje-Team einen hervorragenden vierten Platz. Ebenfalls mit von der Partie ist in Griechenland sein Bruder Wim. Er ist auch die entscheidende Schlüsselperson in Gercos Karriere. „Seit etwa zehn Jahren ist mein Bruder für den Stall Eurocommerce tätig. Sie haben dort mit ein paar Pferden in den Neunzigern angefangen. Als es immer besser lief, wurde ein weiterer Bereiter gesucht und Wim hat halt mich empfohlen.“ Bis zu dem Zeitpunkt ritt die heutige Nummer Elf der Weltrangliste im heimischen Handels- und Ausbildungs-Stall, den wiederum Bruder Ben aus dem landwirtschaftlichen Betrieb des Vaters aufbaute und den er noch leitet. Die Brüder helfen und fördern sich bis heute gegenseitig. Das diese Unterstützung nahezu grenzenlos ist, zeigte das vergangenen WM-Jahr. Wim brach sich ein Bein und bat Gerco, sein selbstausgebildetes Paradepferd Eurocommerce Berlin in Gang zu halten. Das klappt nach einer kurzen Eingewöhnungszeit so gut, dass die Beiden den Sprung in die Mannschaft schafften, die tatsächlich Gold holte. Auch nach seiner Genesung verlangte Wim das Pferd nicht zurück. „Wir reiten für einen Sponsor und da ist es nur wichtig, wie gut es für den Stall läuft. Eigene Interessen treten da in den Hintergrund“, erklärt Gerco, der bis auf ein Jahr beim ehemaligen Nationaltrainer Hans Hoorn, „das mir unglaublich viel gebracht hat“, nur mit seinen Brüdern zusammenarbeitete. „Bis vor kurzem sind wir zudem noch wöchentlich zu Johann Heins gefahren. Aber das wird bei dem engen Turnierkalender immer schwerer. Er berät uns aber noch am Telefon“, so der „kleinste“ Schröder, der mit seinen Eltern und seiner Freundin auf dem elterlichen Hof lebt und im Moment mit Eurocommerce Milano das Dortmunder Westfalenhallen Reitturnier im Auge hat, bevor es zum Weltcup-Finale nach Las Vegas geht. Nachdem Eurocommerce Berlin etwas Pause hatte, soll auch der „nebenberufliche“ Deckhengst in der grünen Saison wieder zum Einsatz kommen. „Natürlich ist die EM unser Ziel“, so Gerco, der dann wie in Athen auch gerne wieder Bruder Wim an seiner Seite hätte.
Quelle: escon-marketing.com Foto: Gerco Schröder bei den Weltreiterspielen in Aachen im Portrait (c) M.Czok / www.reitsportfotos.eu |