|
Bundeschampionate sechsjährige Dressurpferde
Warendorf (fn-press). Kommentator Christoph Hess (Warendorf) hat es als erster gesehen: „Ein ganz kleines Lächeln“ auf dem ansonsten stets ernsten Gesicht der Kamp-Lintforterin Bärbel Förster-Henrich nach dem Championatsritt mit Samira, die damit alle drei Prüfungen auf ihrem schwungvollen Weg zum Titel mit Weile gewann. „Noch nie in Warendorf gesehen“ und „es geht nicht besser”, schwärmte Hess nach dem Siegesritt bei den sechsjährigen Dressurpferden. Zweimal die Höchstnote 10,0 für Trab und Durchlässigkeit für die von Ulrike und Heinz-Bernd Schumacher in Ratingen gezogene Sandro Hit-Tochter, dazu drei Mal die 9,5 für Schritt, Galopp und Gesamteindruck ergaben einen Notendurchschnitt von 9,7 - und der stellt bislang das Optimum dar, was jemals bei Bundes-Championaten für angehende Dressurpferde vergeben worden ist. Federleicht, mit einer Supermechanik ausgestattet und dabei cool und konzentriert präsentierte sich die schwarzbraune Rheinländerin wie ein echter Spitzensportler.
Keiner sprach es aus, aber ein Vergleich lag in der Luft mit Poetin, ebenfalls von Sandro Hit, Siegerin 2003 mit 9,5 und damit die bisherig ungekrönte „Königin von Warendorf“. Spätestens bei der Siegerehrung vor johlendem Publikum, die sie stolz und gelassen, ohne ein Zeichen der Aufregung überstand, zeigte sich die ganze Klasse dieses Bewegungswunders, das an Rhythmus und Geschmeidigkeit nicht zu übertreffen war. „Sie vertraut mir halt“, kommentierte die Reiterin, die die Stute seit dem Anreiten kennt. Hohe Noten sind die Norm in der Familie der Samira, deren Mutter Rapalla einst ihre Stutenleistungsprüfung mit 9,14 abgelegt hat, bevor sie jetzt unlängst mit einem Fohlen von His Highness tragend eingegangen ist. Vor Samiras Auftritt hatte schon der Rappe Pretender die Richter zu guten Gaben veranlasst: Durchgängig fünfmal die 9,0 gab es für den großrahmigen Hannoveraner v. Prince Thatch xx aus einer Mutter v. Weltmeyer (Züchterin: Anja Tümmler, Hude) unter Stephanie Jansen. Die ehemalige Pony-Europameisterin aus Korschenbroich setzt mit ihrem ersten eigenen Großpferd fort auf der Erfolgsspur, die sie mit den kleinen Pferden betreten hat und auch als angehende BWL-Studentin weiter im Auge behalten will. „Reiten vom Allerfeinsten“, quittierten die Richter angemessen und lobten besonders die herrliche Balance und hervorragende Arbeitsbereitschaft des Wallachs, der als Zweieinhalbjähriger zu Jansen und dem Ausbilder Jan Nivell gekommen ist und schon im vorigen Jahr als Fünfjähriger im Finale gefiel. Seinen vierten und damit letzten Finalauftritt auf Warendorfer Boden absolvierte der Hannoveraner Hengst White Kiss v. White Star aus einer Bolero-Mutter. Mit einer Wertnote von 8,8 ritt Marion Schleypen (Neuss) den kompakten Dunkelfuchs auf den dritten Platz. Das Risiko des blinden Einkaufs als Fohlen hat sich gelohnt für die „Halb-Profi-Reiterin“, die mit ihrem Mann, dem Berufsreiter Janick Schleypen, eine Ausbildungsstätte für junge Dressurpferde betreibt. Die vier Wechsel des von Günther Wahlen in Selsingen gezogenen Hengstes wurden als „vermutlich die besten des Tages“ bezeichnet. Nur zwei leichte Unsicherheiten bei der Grußaufstellung und im Rückwärtsrichten verhinderten eine weitere 9,0 für Durchlässigkeit, nachdem die Richter Trab, Schritt und Gesamteindruck so hoch bewertet hatten. Ein Zehntel hinter den Medaillenrängen endete der mächtige Oldenburger Hengst Rigamento unter der eher zierlichen, frisch als Humanmedizinerin promovierten Dr. Katja Weisbrod (Kaiserslautern), die mit dem Riccione-Weltmeyer-Sohn ebenfalls schon seit seinen Jugendtagen vertraut ist und in ihm ihr zukünftiges neues Pferd „für große Aufgaben“ sieht. „Zur Zeit unverkäuflich“ betont die ehemalige Pony-Europameisterin den Status des Braunen, der der Galmbacher SportPferdeZucht auf Schlossgut Bernersried in Umpfenbach gehört und neben dem Sport auf M-Niveau auch als Deckhengst zum Einsatz kommt. In Oldenburg wurde er Landesmeister in seiner Altersklasse und die WM der Jungen Dressurpferde beendete er als Siebter. Eine Bewertung hinsichtlich der Eignung als Dressurpferd für höhere Aufgaben ist das Hauptanliegen der Richter beim Bundeschampionat. Hinsichtlich ihrer Versammlungsbereitschaft überzeugten nicht nur die ganz vorn platzierten Sechsjährigen. Der Westfalen-Hengst Fine Time (v. Florestan – Weinberg), gezogen von Alfred Huttrop (Lichtenau) brillierte unter Dr. Ulf Möller (Hagen a.T.W.) gar bereits mit einer lupenreinen Passage beim Ausritt aus dem Viereck. Mit der Note 8,5 blieb Platz fünf für den Manager am Hof Kasselmann, der als Championats-Vielstarter auch in diesem Jahr einen neuerlichen „Rücktritt vom Rücktritt“ im Warendorfer Viereck zelebrierte.
Quelle: fn-press/ P. Schlemm Reitsportfotos im Internet unter: www.reitsportfotos.org
|